Amor, Äskulap und Co: Klassische Mythologie in der Sprache der modernen Medizin


 
Begriffe, die Geschichten erzählen.
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(REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Amor, Äskulap und Co: Klassische Mythologie in der Sprache der modernen Medizin (Gebundene Ausgabe) Selbst Mediziner mögen sich bisweilen fragen, warum die medizinische Fachsprache Begriffe wie Achillessehne, Morphium, Hippocampus verwendet, statt die Dinge selbsterklärlich zu benennen, wie etwa bei der Knochenhaut, der Innenohrschwerhörigkeit oder dem Rundrücken. Und dies seit zweitausend Jahren. Bemerkenswert ist, dass die meisten dieser blumigen Benennungen allerdings erst im Laufe der letzten zweihundert Jahre in die Fachsprache eingegangen sind. Axel Karenberg meint, der Mensch hat ein Bedürfnis nach Verzauberung durch Phantasie. Ich meine, der Mensch möchte Geschichten hören. Und diese erzählt Axel Karenberg.

Es gibt es noch einen anderen Aspekt. Der Arzt des Griechenland-begeisterten 19. Jahrhunderts hat seine breite humanistische Bildung nicht unter den Scheffel gestellt. Außerdem waren Begriffe aus den alten "toten" Sprachen in internationalen Gelehrtenkreisen Gemeingut. Begriffe und Geschichten waren den meisten Fachleuten bekannt; man verstand sich. Die Globalisierung der medizinischen Fachsprache hatte seinen Lauf genommen.

Manche Begriffe sind so tief in die Umgangssprache eingegangen, dass uns ihre antiken Wurzeln gar nicht mehr bewusst sind. Wer denkt schon in der panischen Angst einer Panikattacke an den griechischen Waldgott Pan der, mit Bocksfüßen und ganzkörperbehaart, sich über die Nymphe Syrinx hermacht (was die Nymphe verständlicherweise in panischen Schrecken versetzt). Dumm nur, dass andere Wassernixen Syrinx gerade noch rechtzeitig in ein Schilfrohr verwandeln können. Jetzt steht Pan mit dem Pflanzenstängel dumm da und kann von seiner Traumfrau nur noch - träumen. Man sieht, trocken ist medizinische Terminologie nicht.

Das Buch entstand aus einer Vorlesungsreihe für Medizinstudenten und damit ist die Zielgruppe klar. Axel Karenberg sieht sich dem französischen Motto aus dem 18. Jahrhundert verpflichtet: Gefallen und Belehren ("plaire et instruire"). Es ist also keine so neumodische Forderung, dass der Herr Professor mit seiner Vorlesung seine Studenten nicht langweilen soll.

Klar, die Begriffsbedeutungen können über die enge Zielgruppe hinaus auch einen Reiz für Sprachinteressierte haben. Wer sich mit Biologie beschäftigt wünscht sich ein ähnliches Buch. Dieses hier streift biologische Fachausdrücke nur gelegentlich; eigentlich schade.

Im Glossar sind die wichtigsten klassischen Gestalten übersichtlich aufgeführt; sie reichen mit Leopold Ritter von Sacher-Masoch bis in die k. und k. Monarchie. Leider fehlt ein alphabetisches Sachregister für die erwähnten medizinischen Begriffe. Das verstehe ich nicht, handelt es sich doch hier auch um ein Nachschlagewerk.

Axel Karenberg vergleicht das Eintauchen in diese Welten mit einer Zugfahrt, einer Art Afrika/Orientexpress mit dem Startbahnhof bei den Pyramiden, mit Zwischenaufenthalten im antiken Griechenland und Rom und mit Zielankunft im modernen Italien, Frankreich und Deutschland. Also denn, gute Reise und viel Spaß!
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 13. Mai 2007
Kundenrezensionen:
2. Begriffe, die Geschichten erzählen. (die aktuell angezeigte Rezension)
1. unterhaltsam und lehrreich
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