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Der Mythos der großen Pyramide

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2. Rätsel im Pyramideninneren

Widmen wir uns nun allmählich dem Inneren der Pyramide. Wenn wir einen Querschnitt durch die Cheopspyramide betrachten, fällt zuallererst die ungewöhnliche Anordnung auf. In allen Pyramiden zuvor wurden sowohl die Gänge, als auch die verschiedenen Kammern (Grab- und Schatzkammern) fast ausschließlich auf einer Ebene gebaut, meist nicht weit über dem Erdboden. Bei der Cheopspyramide wurden zum ersten mal die Gänge und Kammern weiter in das Pyramidenobere verlegt. Der Grund für diese Abweichung vom bisherigen Bauverfahren ist bis heute noch nicht geklärt. Auch ungewöhnlich scheint die sogenannte „unvollendete“ Kammer unter der Pyramide. Sie misst 14,02m von Osten nach Westen und 8,25m von Nord nach Süd. Von ihr geht ein weiterer kleiner Gang ab, der allerdings nach ca. 15m erprobt endet.
Vorerst sei vielleicht noch erwähnt, dass die Ägypter ihre mühevoll gebauten Pyramiden mit unerdenklich großen und kostbaren Schätzen schmückten. Die Cheopspyramide zum Beispiel war von außen mit seltenem, beige glänzendem Marmor überzogen. Bereits von weitem konnte man das helle Glänzen der Pyramide erkennen, und man kann sich gut vorstellen, welchen Eindruck ein solcher Anblick in der damaligen Zeit hinterlassen haben muss. Auch sämtliche Gänge und Kammern waren prunkvoll mit Marmor, Gemälden, religiösen Zeichnungen oder anderen Verzierungen ausgeschmückt.
Um nun wieder auf die unterirdische Kammer zu kommen, auch der sehr kleine und enge Gang, der heute für Besucher gesperrt ist, weil der Abstieg durch den über 100 Meter langen und gerade einmal ca. 1,20 m hohen Gang bis zur Kammer einfach zu anstrengend wäre, war damals, so besagen es die alten Pyramidentexte und diverse zeitgenössische Beschreibungen, wie zum Beispiel von Herodot, ebenfalls mit dem teuersten und wertvollsten Marmor und mit blankpolierten, äußerst wertvollen Tura - Blöcken ausgekleidet. Nun stellt sich natürlich die Frage, welchen Sinn diese Kammer hatte oder haben sollte. Aus welchem Grund legt man eine unterirdische Kammer in 35m Tiefe an, wenn man sie später überhaupt nicht benutzen will? Naheliegend wäre die Vermutung, dass sie als eine Art Schatzkammer diente und schon vor langer Zeit ausgeräumt wurde. Doch wieso dann dieser blinde 15m lange Gang, die von der Kammer wegführt? Vielleicht sollte man sich die damalige Situation einmal bildlich vorstellen! Mit einem enormen Aufwand mussten dutzende von Arbeitern einen schnurgeraden, gerade einmal 1,20m hohen Gang ausgehoben haben. Sie mussten beinahe die gesamte Arbeit auf Knien verrichten. Keine sehr angenehme Arbeit! Und mit jedem Meter, den sie sich weiter nach unten vorgearbeitet hatten, wurde die Luft stickiger und das Licht schlechter. Ohne Licht keine Arbeit, also mussten gezwungener maßen Fackeln in den engen Gang gehängt werden. Leider verbrachen Flammen Sauerstoff. Die Luft wurde immer dünner und zugleich erwärmte sich der Gang durch die vielen Fackeln erheblich. In Folge dessen mussten wohl oder übel wenigstens einige Luftschächte ans Tageslicht führen. Von diesen Luftschächten fehlt bis heute allerdings auch jegliche Spur! Wie auch immer, nach wochenlanger Schufterei müssen die Arbeiter irgendwann an die Stelle gekommen sein, an der nun die unterirdische Kammer entstehen sollte. Also ging es weiter, bis die Kammer endlich ausgehoben war. Nun wurde noch schnell ein 15m langer blinder und wohl völlig nutzloser Gang in den Fels gehauen und die Arbeit war getan. Schnell wurde der hinabführende Gang noch mit Turu - Blöcken verkleidet und schon haben wir eine wunderschöne halbfertige Kammer, die nur irgendwie keiner so recht braucht. Die Arbeiter werden sich bestimmt sehr gefreut haben, als man ihnen mitteilte, dass die ganze Arbeit eigentlich umsonst war, vielleicht, damit sie sich schon einmal etwas warm machen konnten.
  
Lexikon der Pharaonen. Sonderausgabe (Gebundene Ausgabe)
von Thomas Schneider
Siehe auch:
Lexikon des Alten Ägypten (Patmos Paperback)
von Guy Rachet
Ägypten. Die Welt der Pharaonen
von Regine Schulz
Lexikon der Götter und Symbole der alten Ägypter.
von Manfred Lurker
Lexikon der ägyptischen Baukunst
von Dieter Arnold
 
    
     
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