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Der Mythos der großen Pyramide

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3. Die Königskammer als Grab für Cheops?

Doch die unvollendete Kammer ist nicht der einzige Ort in der Pyramide, um den sehr viele Gerüchte ranken. Einige Ägyptologen sind der Meinung, dass es auch noch ein ungelöstes Geheimnis um die „große“ Galerie gibt. Diese Forscher gingen davon aus, dass in der vollendeten Pyramide eine Große Prozession stattfand, um den Pharao Cheops beizusetzen. Der Gang zur großen Galerie hin und der Gang von der großen Galerie zur Königskammer sind beide zu schmal, um sie aufrecht gehend zu passieren. Doch bei einer solchen Totenprozession gab es bestimmte Riten, die strickt eingehalten werden mussten. Nur so war gewährleistet, dass der Pharao ungehindert in das Reich der Götter überging. Doch es ist eher unwahrscheinlich, dass die hohen Priester ihre feierliche Prozession mittendrin kurz unterbrachen, um sich mit allen nötigen Reliquien durch die beiden kleinen und engen Zwischengängen zu zwängen, um ihre Rituale in der Königskammer abzuhalten und später wieder halb gebückt zurück durch die beiden Gänge krochen. Dies war eigentlich der erste Grund, warum man angenommen hat, dass die Pyramide gar nicht als Grab für Cheops gedacht war. Nur an welchem Ort liegt der große Pharao Cheops sonst begraben, wenn nicht in der großen Pyramide? In Herodots Aufzeichnungen ist zu lesen, dass in der Nähe der Pyramide in eine Felsformation ein weit verzweigtes Netz von Gängen und Kammern angelegt wurde, die vielleicht als Grab für Cheops dienen konnte. Doch eine solche Anlage wäre beinahe schutzlos gegen Grabräuber gewesen. Also mussten sich die Baumeister etwas für den Schutz des Pharaos ausdenken. In Herodots Texten wird von einer Art unterirdischer Wasserburg berichtet. Vielleicht ist Nielwasser abgezweigt worden und in der Fels geleitet worden, um den nötigen Schutz zu gewährleisten. Eigentlich war diese Technik zur damaligen Zeit eher eine Bauart aus nördlicheren Gebieten, zum Teil sogar aus Europa. Doch Cheops selbst war keiner neuen Baukunst abgeneigt, selbst wenn sie aus einem fernen Gebiet stammt. Immerhin war seine Gemahlin selbst auch Europäerin. Allerdings ist dies alles bloß reine Spekulation. Sicher ist nur, dass Cheops mit großer Wahrscheinlichkeit nicht in seiner eigenen Pyramide begraben wurde. Wieso allerdings die Königskammer, auch wenn dort nie jemand begraben werden sollte, trotzdem angelegt wurde, ist bis heute noch ungeklärt.
  
Das kulturelle Gedächtnis (Taschenbuch)
von Jan Assmann
Siehe auch:
Erinnerungsräume. Sonderausgabe. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses
von Aleida Assmann
Religion und kulturelles Gedächtnis. Zehn Studien.
von Jan Assmann
Monotheismus und die Sprache der Gewalt
von Jan Assmann
Das Gedächtnis und seine sozialen Bedingungen.
von Maurice Halbwachs
 
    
     
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